
Zur Europäischen Fledermausnacht in Wittgenstein hatten sich trotz der vorhergesagten, durchwachsenen Wetterbedingungen viele Kinder und Erwachsene am Schieferschaubergwerk bzw. am Naturschutzgebiet „Grubengelände Hörre“ bei Bad Berleburg-Raumland eingefunden. Manuel Graf, aktiver Mitarbeiter des NABU-Arbeitskreises Fledermausschutz in Siegen-Wittgenstein, übernahm an diesem Abend die Führung der Besucher. Nach der Begrüßung und einer kleinen Einführung bzgl. des Exkursionsverlaufs erzählte er etwas Allgemeines zur Biologie der bisher 16 im Kreis Siegen-Wittgenstein nachgewiesenen Fledermausarten. Darüber hinaus erklärte er die Funktion eines Fledermausdetektors, mit welchem man die im Ultraschallbereich liegenden Fledermausrufe für das menschliche Ohr hörbar macht.

Anschließend begab sich der Beobachtungstross auf die Ederbrücke am Naturschutzgebietsparkplatz. Hier wurde versucht, die jagenden Zwerg- und Wasserfledermäuse mit Detektor und Taschenlampe zu präsentieren. Da aber die Eder aufgrund der vergangenen, z.T. regnerischen Tage sehr viel Wasser führte und sich an dieser Stelle stärkere Stromschnellen und Wasserwirbel bildeten, war dieser Bereich für die eigentlich gesuchten Fledermausarten eher ungünstig, so dass nur wenige Tiere gehört werden konnten. Aber kein Problem für den erfahrenen Fledermauskundler. Dann ging es eben erst einmal Richtung Raumland-Ort. Schon am Ortseingang begrüßten ein paar, um die dortigen Straßenlaternen jagende Zwergfledermäuse das naturinteressierte Publikum. Nachdem die Flugakrobaten genügend bestaunt worden waren, begab man sich an einen ruhig dahinfließenden Bereich der Eder, welcher den heimischen Fledermauskundlern als ergiebiges Jagdrevier bekannt ist. Bereits nach wenigen Sekunden flitzte die erste Wasserfledermaus durch das Taschenlampenlicht, welches mit Begeisterungsrufen der Exkursionsgruppe quittiert wurde. Und dann ging es richtig zur Sache. Fast im Sekundentakt hörte und sah man plötzlich Wasserfledermäuse, die über der ruhigen Wasseroberfläche kleine Insekten zu erhaschen versuchten. Nachdem auch wirklich jeder einen Blick auf die emsig hin- und herfliegenden Tierchen geworfen hatte, ging es langsam wieder zurück zum Parkplatz des Naturschutzgebietes.

Auf dem Weg dorthin musste Manuel Graf bereits viele Fragen zu Fledermäusen beantworten, die sich oft auf eigene Erlebnisse der ExkursionsteilnehmerInnen mit diesen Tieren bezogen. Zwischendurch tätigte Manuel Graf noch einen kurzen Anruf mit dem Handy, der es später in sich haben sollte. Kaum war die Exkursionsgruppe nämlich am Naturschutzgebietsparkplatz erneut angelangt, so sah man schon von Weitem 2 Personen mit Taschenlampen aus der Dunkelheit auftauchen. Waren das Polizisten, Jäger oder nächtliche Spaziergänger? Keins von alledem. Sven Portig und Michael Wiedemann hatten nur auf Manuel Grafs Anruf gewartet und brachten nun in kleinen Leinensäckchen aufbewahrte, lebendige! Fledermäuse. Wo hatten die Beiden denn die Tierchen her? Manuel Graf klärte die Anwesend auf. Bereits seit Einbruch der Dämmerung wurden nämlich, neben den eben genannten Personen, von Michael Frede, Volker Hartmann, Myriam Götz, Christian Sebening, Martin Wiedemann, Sabine Portig und Stefan Jacob (Arbeitskreis Fledermausschutz Siegen-Wittgenstein), wie an jedem letzten Wochenende im August, vor einem benachbarten, nordrhein-westfalenweit bedeutenden Untertagequartier Fledermäuse zu wissenschaftlichen Zwecken mit Netzen und einer speziellen Fangharfe gefangen. Dies sei eine einmalige Gelegenheit in Siegen-Wittgenstein, für Fledermausinteressierte einmal lebendige Fledermäuse in der Hand bestaunen zu können, erklärte Manuel Graf. Außerdem wies er darauf hin, dass der Fledermausfang nur mit behördlicher Genehmigung zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt sei.

Als Manuel Graf in das erste Leinensäckchen griff, rückten 50 Exkursionsteilnehmer auf einen Schlag näher an ihn heran. Was dann zum Vorschein kam, löste wahre Freude und Staunen aus. Ein Braunes Langohr erzeugte mit seinen namensgebenden, imposanten Ohren und den Knopfaugen helle Begeisterung. Nachdem etwas zu dieser Art berichtet und das Tierchen im Licht vieler Taschenlampen wieder fliegengelassen worden war, kam ein kleiner Mops aus dem nächsten Beutel zutage. Dass dieser Vergleich nicht hinkte, zeigte die Tatsache, dass sich diese Wasserfledermaus für die noch anstehende Winterruhe bereits schon eine ordentliche Fettschicht angefressen hatte und wie ein kleiner, fliegender Tennisball wirkte. Zu guter Letzt holte Manuel Graf noch ein scheinbares Geschwisterpärchen aus den letzten Säckchen. Es handelte sich dabei um eine Kleine und eine Große Bartfledermaus, die auf den ersten Blick wie ein Ei dem anderen zu gleichen schienen. Manuel Graf erklärte den Anwesenden, dass gerade diese beiden Bartfledermausarten als Weibchen sehr schwer zu bestimmen sein können. Außerdem wusste er zu berichten, dass insbesondere Weibchen- und Jungtieransammlungen (sogenannte Wochenstubenkolonien) der Kleinen Bartfledermaus wahrscheinlich deutlich häufiger hinter wittgensteiner Schieferfassaden hängen, als derzeitig bekannt. Ein Anfang August vom Arbeitskreis Fledermausschutz besendertes Weibchen der Kleinen Bartfledermaus konnte schon am nächsten Tag in einem Wohnhaus in Röspe mit einem speziellen Empfänger nebst Antenne wiedergeortet werden. Ca. 15-20 Tiere flogen die kommende Dämmerung aus dem Quartier aus. Es handelte sich dabei um die erste, bekannt gewordene Wochenstube der Kleinen Bartfledermaus in Siegen-Wittgenstein und eine der Wenigen in NRW. Im Anschluss verabschiedete sich Manuel Graf noch von allen Exkursionsteilnehmern und entließ viele, strahlende Gesichter in das restliche Wochenende.
Großes Teilnehmerinteresse an Amphibienexkursion.
Ein vielfältiger Veranstaltungsreigen wartet auf sie!
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